Leipzig: Leuchtturm in Ostdeutschland

Die sächsische Handels- und Universitätsstadt Leipzig erweist sich seit Jahren als Bevölkerungsmagnet – insbesondere für hochqualifizierte, junge Menschen aus aller Welt. Bald dürfte die Stadt die 600.000 Einwohner-Marke knacken. Auf das konstante Wachstum reagiert die Stadt mit dem Ausbau der Infrastruktur unter anderem für die Kinderbetreuung.

Leipzig befindet sich auf der Überholspur: Zum Jahresende 2018 hatte die mitteldeutsche Metropole, wie das Amt für Statistik berichtet, 596.517 Einwohner. Damit weist Leipzig das schnellste Wachstum unter den deutschen Großstädten auf. Zu dem Anstieg trugen ein Geburtenüberschuss wie auch der bundesweit höchste Wanderungsgewinn je 1.000 Einwohner bei. 

Wirtschaftsboom in Zukunftsbranchen

Eine starke Wirtschaft gehört zum Standortvorteil Nummer 1. Zahlreiche Großunternehmen wie Amazon, DHL, BMW oder Porsche sorgen für Schwung im Leipziger Arbeitsmarkt. Zudem besitzt die Leipziger Forschungs- und Wissenschaftslandschaft überregionale Strahlkraft für Akademiker aus aller Welt.

Zur Jahresmitte 2018 zählte Leipzig 269.009 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – damit lag die Zunahme sogar höher als die Wachstumsrate der Bevölkerung. Zugleich erreichten die Arbeitslosenzahlen mit 6,1 % einen historischen Tiefstand seit Beginn der Statistik. Unterdessen hat sich der Anteil einkommensstarker Haushalte zwischen 2010 und 2018 um 10 Prozentpunkte erhöht, während der Anteil einkommensschwacher Haushalte um 12 Prozentpunkte gesunken ist.

Spannend wie Berlin

In Sachen Kultur rangiert die Messestadt im innerdeutschen Vergleich weit vorne. So liegt die sächsische Metropole bei den Kreativen auf Platz 4: Überproportional viele Menschen in Leipzig sind im künstlerischen Bereich tätig – nämlich 5,7 pro Einwohner, so ein Befund des HWWI/Berenberg Kultur-Städterankings 2018. Mehr sind es nur in Berlin, Köln und München. Von dieser Präferenz der Kreativen profitiert die lebendige Kunstszene der Stadt, die Kulturschaffende wie das Publikum gleichermaßen anzieht.

Neues Leben

Der Leipziger Boom birgt Chancen für bislang weniger stark nachgefragte Orte. So manches Stadtquartier jenseits des Zentrums ist nach längerem Dornröschenschlaf bereits zu neuem Glanz erwacht. So muss man etwa in Plagwitz lange nach bröckelndem Gemäuer suchen. Auch der ehemalige Arbeitervorort Schönefeld mit seinem historischen Ortsteil und dem Schloss gehört zu den immer beliebteren Ecken. „Das ist eine hervorragende Mikrolage“, so Herbst. „Ein sozial ausgewogenes Viertel, zentrumsnah und zugleich sehr günstig. Nicht umsonst sieht man hier viele Bauaktivitäten – die Gegend wird weiter an Attraktivität gewinnen.“

Noch im Kommen sind auch Randlagen wie beispielsweise Kleinzschocher unweit des Cospudener Sees. „Hier gibt es noch Brachflächen und unsanierte Industriegebäude – und damit mehr Spielraum für Neubauten und Sanierungen im mittleren Preissegment“, sagt Herbst.

Wachstumstrend hält an

Beim Wachstum ist nach aktueller Lage ein Ende nicht in Sicht. Bis zum Jahr 2035 sei ein Bevölkerungs-Plus von über 16 Prozent zu erwarten, so das Berlin-Institut in einer Untersuchung über „Die demografische Lage der Nation“. Damit wäre die Stadt bundesweiter Tabellenführer.

Leipzig bleibt jung

Während der Anteil alter Menschen in Deutschland deutlich wächst, sticht Leipzig durch die Zunahme jüngerer Einwohner hervor. „In Leipzig dürfte die Zahl der 20- bis 64-Jährigen sogar deutschlandweit am stärksten zulegen“, so der Bericht des Berlin-Instituts. „Dieses Wachstum verdankt die Universitätsstadt vor allem ihrer Anziehungskraft für junge Menschen, den Bildungswanderern im Alter zwischen 18 und 24 Jahren.“ Damit wäre Leipzig klarer Gewinner der demografischen Entwicklung.

Wachsender Infrastrukturbedarf

Wo eine verhältnismäßig junge Bevölkerung arbeitet und lebt, muss auch die Infrastruktur darauf abgestimmt sein. So wurden im vergangenen Jahrzehnt fast 18.000 zusätzliche Kita-Plätze geschaffen. Gleichwohl zeigt die aktuelle Kommunale Bürgerumfrage der Stadt, dass hier – wie etwa auch beim Straßenausbau – aus Sicht der Einwohner noch einiges zu tun ist.

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